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Bilanz der Plünderer

Hemmungslos wird sie geplündert, die Deutsche Telekom AG. Damit setzt der Bund als Großaktionär seine unselige Tradition fort, die sich von der Deutschen Bundespost über die Börsengänge (22 Milliarden Euro) über die UMTS-Auktion (15 Milliarden Euro), bisherigen Dividendenzahlungen in einstelligen Milliardenhöhen bis hin zur aktuellen Dividenpolitik (1,2 bzw. 3,2 Milliarden Euro) erstreckt. Dabei sind die Akquisition von Voicestream (34 Milliarden Euro) und die Risiken aus dem dritten Börsengang nicht mitgezählt. Neu scheint nur, dass sich auch das Management in immer größerem Maße offen an den Raubzügen beteiligt - der Lohn für Gewissenlosigkeit und erfolgreiche Volks(aktionärs)verdummung - bei manchem vielleicht auch für völlige Unbedarftheit.

Wissende und ahnungslose Plünderer

Während man beim Telekom- Finanzvorstand Dr. Eick wohl davon ausgehen kann, dass er wissentlich die Bilanz mit nicht zugelassenen, nicht standardisierten und selbstgestrickten Kennzahlen schönredet, von denen er sich im Kleingedruckten ganz schnell wieder distanziert, ja, noch nicht einmal davor zurückschreckt, diese Schönung der Unternehmensbilanz pseudowissenschaftlich als vermeintlichen Fortschritt der Berichterstattung und daraus folgende Dividendenzahlung zu verbrämen, ist der zweite (eigentlich der erste) im Bunde, René Obermann, wohl eher unbedarft. Ahnungsloser PlündererDer Ahnungslose verdankt seine Karriere nicht Fachwissen oder intellektueller Schärfe, sondern seinen Fähigkeiten, dem Gesprächspartner den Anschein großer emotionaler Nähe zu geben - vor allem, wenn es sich um einen höher- oder gleichrangigen Gesprächspartner handelt, von dem er etwas will. Als Vertriebschef und mittelständischer Händler war das eine erwünschte Fähigkeit - für den Unternehmenschef eines so komplexen Hochtechnologie- und Politikgebildes wie der Deutschen Telekom AG reicht es jedoch alleine nicht - deshalb gibt es auch keine Zukunftsideen. Zum persönlichen Kasse machen hingegen reicht es allemal!

Große und kleine Plünderer

Und so plündern sie alle fröhlich: Die Großen, der Bundesfinanzminister (der jetzige Amtsinhaber womöglich auch ahnungslos über die Hintergründe) für den Bund, und Blackstone (bestimmt nicht so ahnungslos ?!) für sich selbst, bedienen sich gegen alle Pflichten des ordentlichen, vorausschauenden Kaufmanns via Dividende aus der Substanz des Unternehmens. Der Griff in die Kasse hat sich gewaschen. Trotz um 82% gesunkenem Konzerngewinn empfehlen Vorstand und Aufsichtsrat eine Erhöhung der Dividende um 8 %. Dabei steht dem Konzerngewinn von nur noch 569 Millionen € die Ausschüttung der Dividende in Höhe von insgesamt 3762 Millionen € gegenüber, also ein vorsätzlicher Substanzverlust von 3,2 Milliarden. Der Bund erhält davon ca. 1,2 Milliarden €, Blackstone 166 Millionen € (nach dem Besitzstand 31.12.2007).

Gewinn DTAG ab 2005

Eine einfache Trendanalyse (graphisch eine Gerade durch die Gewinnpunkte legen - rechnerisch mit der Methode der kleinsten Quadrate) ergibt für das Jahr 2008 jedoch einen geschätzten Verlust von 2 Milliarden Euro. Natürlich ist das ein sehr simples Prognosemodell, aber es enthält eher Risiken der Untertreibung. Denn eine mögliche fortgesetzte Kundenflucht zum Wettbewerb verläuft erfahrungsgemäß im Guten wie im Schlechten nicht linear, sondern eher exponentiell, und das hieße ein noch viel höherer Konzernverlust. Dann sieht die Kurve so aus und die Prognose liegt bei einem Verlust von 12 Milliarden Euro.Gewinn DTAG ab 2005 (expon. Hochrechnung) Bereits beim -2 Milliarden Szenario, das sich mangels Ideen und intellektueller Leistungsfähigkeit zur Lösung von Problemen womöglich noch als äußerst optimistisch erweisen könnte, ist die Zahlung einer Dividende absolut verantwortungslos. Kein Wunder, dass Vorstand und Aufsichtsrat eine eigene Prognose für 2008 verweigern.

Großes Plündern hilft kleinen Plünderern

Warum also der ganze Unfug? Nun, der Glaube heißt: Großes Plündern hilft auch mir, dem kleinen Plünderer. Denn mit der Erhöhung der Dividende und wilden EBITDA-PR-Orgien soll nicht vorhandene wirtschaftliche Stabilität vorgegaukelt werden, damit der Aktienkurs steigt. Hier wirds jetzt wieder interessant:

Sowohl Vorstandsvorsitzender René Obermann als auch Finanzvorstand Karl Gerhard Eick (und noch einige andere) profitieren potenziell von den bereits seit 2000 aufgelegten Aktienoptionsplänen, obwohl beide für die Sonderabschreibungen im Jahr 2002 in Höhe von in der gesamten Wirtschaftsgeschichte bisher einzigartigen 22 Milliarden Euro mitverantwortlich sind. Im Klartext: Veränderungen des Aktienkurses nach oben würden ihnen beiden Gewinne in Millionenhöhe zusätzlich zum Gehalt bescheren, das auch nicht so schlecht ist und nach der Analyse im Manager Magazin (Pay-Performance-Index) bereits völlig unangemessen. Für die Hoffnung auf diese Optionsgewinne kann man schon mal ein paar Leute entlassen oder ihnen das Gehalt kürzen. Hauptsache, die Großaktionäre - darunter die Bundesrepublik Deutschland(!), seit Jahren vertreten durch sozialdemokratische (!!) Finanzminster - zahlen weiter mein Gehalt, für alle aktiven Vorstände zusammen waren es 2007 11,5 Million Euro plus 4,5 Millionen Pensionsverpflichtungen, mehr als eine Verdoppelung der Ausgaben gegenüber 2006 lt. Geschäftsbericht 2007. Allerdings ist dies im Geschäftsbericht 2006 anders, nämlich in etwa auf gleicher Höhe dargestellt, umfaßt dort aber mehr Personen, die Einkünfte erzielt haben.


Mythos Wachstumsmarkt USA: Wachstum ohne Gewinn?


Merkwürdig ist schließlich auch, dass keine Gewinnzahlen zum Wachstumsmarkt USA publiziert werden. Zwar steigt dort der Umsatz, jegliche echte Gewinnangaben, engl. profit, sucht man jedoch vergebens. Nur zur jüngsten US-Zusatzerwerbung, der karibischen US-Mobilfunkgesellschaft Suncom Wireless, wird man in der Datenbank der US Securities and Exchange Commission (SEC) fündig, weil sie vor Übernahme berichtspflichtig war: Die vorher mit über einer Milliarde verschuldete Gesellschaft wurde für 1,15 Milliarden Euro gekauft, die letzten öffentlich berichteten Quartalsumsätze für das 3.Quartal 2007 liegen bei einer Viertelmilliarde US-Dollar, der von drei auf vier Quartale hochgerechnete Jahresverlust 2007 bei 300 Millionen Dollar bei einem hochgerechneten Jahresumsatz von knapp einer Milliarde. Dem steht ein Kaufpreis von 1,15 Milliarden Euro gegenüber, also das 1-fache des Umsatzes bei jedoch völlig fehlender Profitabilität. Damit erscheint auch Suncom Wireless als völlig überteuert. Denn bei 1,1 Millionen Kunden werden gegenüber grob 1000 Dollar pro Kunde Kaufpreis anscheinend ca. 300 Dollar Verlust pro Kunde und Jahr gemacht - nach dem hochgerechneten, nicht geprüften Quartalsbericht 3/2007. Genau wie auch T-Mobile USA selbst, das frühere Voicestream, ist auch Suncom Wireless schon zu viele Jahre im Geschäft, um noch als Startup betrachtet werden zu können -  was solche Verluste vielleicht als noch begrenzt hinnehmbar erscheinen lassen hätte können.


Eine Vision für eine bessere Zukunft

Die Deutsche Telekom AG braucht dringend einen neuen Umgang des Großaktionärs Bund, einen neuen Vorstand, und vor allem auch einen neuen Aufsichtsrat und ein neues Programm:
  • Halbierung von Vorstandsgehältern und -pensionen, auch rückwirkend so weit möglich aufgrund von § 87 Abs. 2 AktG und keine Dividende für 2007, Wegfall des Aktienoptionsprogrammes wegen Sittenwidrigkeit zumindest für diejenigen, die für die historisch unerreichten Sonderabschreibungen des Jahres 2002 in Höhe von 22 Milliarden Euro mitverantwortlich sind;
  • Seriöse Bewertung der Auslandsgesellschaften nach Gewinnerwartungen, Verkäufe, Börsengang oder Aktiensplit in bezug auf die US-Beteiligungen und dann Delisting der Deutschen Telekom AG an der amerikanischen Börse, denn in USA - DaimlerChrysler läßt grüssen - wird aller Wahrscheinlichkeit nach kein Geld verdient, sondern nur welches verbrannt;
  • Konzentration auf die europäischen und angrenzende Märkte;
  • Herstellung von Qualität im Heimatmarkt;
  • Einführung echter Technologieinnovationen, die über Web.2.0- Gossip hinausgehen - es gibt eine ungeheure Vielfalt technologischer Möglichkeiten aus dem Zusammenwachsen von Internet-, Telekommunikations- und Mobilfunkwelt, die bisher wenig genutzt werden; dazu muss nur das Potenzial und die Ideen hochqualifizierter Mitarbeiter endlich wieder genutzt werden, anstatt diese zu bekämpfen.
  • Fairer Interessenausgleich mit dem Bund unter Berücksichtigung der unseligen Historie - ein Weg könnte die Übernahme der noch verbliebenen Beamten sein - wenn sie nicht in Wahrheit wegen ihres spezifischen Fachwissens doch gebraucht werden.
  • Aufarbeitung und konsequente Verfolgung von evtl. Schadenersatzansprüchen und anderer Vorgänge, um eine Unternehmenskultur des Rechts und so auch die Moral der Mitarbeiter wieder herzustellen.

Alles Daten- und Quellenmaterial aus dem Geschäftsbericht 2007 der Deutschen Telekom AG, früheren Geschäftsberichten und der öffentlichen Datenbank der US Securities and Exchange Commission, SEC. Die Fakten rund um die Börsengänge finden sich in Wolfgang Philipps Telekom-Ballade. Die Verarbeitung erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Gehaltsverändernde Zukunftswirkungen von "MTIP" wurden zur Vereinfachung nicht berücksichtigt, auch nicht die (hohen) Pensionsansprüche. Alle Gehälter auf das Gesamtjahr hochgerechnet, wo erforderlich.

Wednesday, March 12, 2008 in PrivatisierungStaat und Gesellschaft  | Permalink |  Comments (0)
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