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Karl Gerhard Eick, der große Obfuskator (Teil III)

"obfuscare" ist Lateinisch für vernebeln, verdunkeln. Als engl. "obfuscation" bezeichnet man die Technik, die wahren Berechnungen einer Software in deren Code durch komplizierteste Programmierung zu verschleiern. Auf dem Gebiet von Bilanzen und Gewinnen gibt es kaum einen, der dies so meisterhaft beherrscht wie Karl Gerhard Eick, Finanzvorstand der Deutschen Telekom. Teil III handelt vom Mythos T-Mobile USA: Schlechter als Omas Sparbuch.

Mythos T-Mobile USA: Schlechter als Omas Sparbuch


"Das US Geschäft ist unser Wachstumsmarkt."

40 Milliarden Euro wurden für das Engagement der Deutschen Telekom in den USA bezahlt - erst 34 Millionen Euro für Voicestream, dann 6 Milliarden für PowerTel. Das ist zusammen die Größenordnung des Volumens des Staatshaushaltes von Neu Seeland. Klar, dass da für alle damals Beteiligten des deals (engl. Handel) - Ron Sommer, Karl Gerhard Eick, Kai-Uwe Ricke und René Obermann - aber auch für die aufsichtsrätlichen Abnicker bis hinein in Hans Eichels Bundesministerium der Finanzen - ein gewaltiger Rechtfertigungsdruck besteht. Ein Großteil des Kapitals wurde durch Aktientausch mit der Deutschen Telekom AG aufgebracht - die Aktionäre von Voicestream erhielten Aktien der Deutschen Telekom AG, und deren Altaktionäre einschließlich der Volksaktionäre wurden dadurch milliardenschwer verwässert. Der Kurs der Deutschen Telekom AG stürzte danach im Jahr 2000 ins Bodenlose. Im Jahr 2002 wurden vorerst einmal über 20 Milliarden Euro abgeschrieben.

Die Details dieses sagenhaften Deals, der die Altaktionäre von Voicestream im Austausch für ein damals überschuldetes US Startup zu fröhlichen Milliardären gemacht hat - darunter diejenigen, die heute offenbar nicht als Zeugen vor Gericht in Deutschland aussagen wollen - dürften wohl weiter auch im Anlegerprozeß der Kleinanleger vor dem Oberlandesgericht Frankfurt beleuchtet werden.

Ein Bruchteil der Zinsen von Omas Sparbuch

An dieser Stelle wollen wir untersuchen, ob wenigstens die Behauptung, dass bei T-Mobile USA heute, also nach sieben Jahren, Geld verdient wird, denn stimmen kann. Da der Geschäftsbericht dazu wenig Information enthält, haben wir in der Hauptversammlung nachgefragt. Danach betrug der Konzernüberschuß (net income) von T-Mobile USA im Jahr 2007 1,165 Milliarden Euro. Nach 40 Milliarden, die vor mehr als sieben Jahren investiert wurden, allerdings ohnehin eine lächerliche Summe. Auf Omas Sparbuch hätten 40 Milliarden Euro mit nur 3% Zins und Zinseszins nämlich in sieben Jahren schon 9,2 Milliarden Euro erwirtschaftet!

Die Summe von 1,165 Milliarden Euro Gewinn stimmt je nach Dollarkurs mit einer bei T-Mobile USA auf deren Webseite zeitweise in einer Rubrik "Investor Relations" veröffentlichten Bilanz überein.

Auszug aus dem "T-Mobile Condensed Consolidated Statement of Operations - US Dollars in Millions - unaudited" zum Jahresabschluß 2007


Revenues

Contract 15308
Prepaid 976

Roaming and other services
607

equipment sales
2061

Other
336

Total revenues

19288
Operating Expenses


Network 4344
Cost of equipment sales
3120
General & administrative
3200
customer acquisition
3274
depreciation and amortization
2609
total operating expenses

16547
operating income

2741
other expense, net

-346
income before income taxes

2395
income tax (expense)/benefit

-821
net income

1574

Gleichzeitig finden wir in der Bilanz unter Liabilities, also Schulden, to affiliates, also im Konzern:


Current payables to affiliates
1127
long term payables to affiliates
6712


Payables to affiliates
7839

Per Saldo


Ganz offensichtlich verbirgt sich hier ein zinsloser Konzernkredit an T-Mobile USA in Höhe von 7839 Millionen Dollar, zinslos, weil, wie wir oben sehen können, in die Berechnung des "net income" keinerlei Zinsen eingehen. "Net income" enthält aber definitionsgemäß Zinsen. Die Rubrik "interest", engl. Zinsen, ist erst gar nicht vorgesehen worden. Wohl deshalb ist es auch ein condensed consolidated statement - also in gekürzter Form, ohne die Rubrik Zinsen eben, die ja nicht gezahlt werden.

Dies würde bedeuten, dass der Gewinn von T-Mobile USA vor allem wegen eines zinslosen Kredits in auf Dollar-Basis fast zweistelliger Milliardenhöhe besteht, der auf der Muttergesellschaft Deutsche Telekom AG oder einer Mobilfunk-Zwischenholding lastet. Denn in die Berechnung müßten ja ggf. auch noch Zinseszinsen - wie auf Omas Sparbuch - aber eher mit 6 % - für die Vorjahre einfließen. Damit dürften sich in Wahrheit tiefrote Zahlen für das USA Geschäft ergeben. Diese Betrachtungsweise berücksichtigt noch nicht einmal die zusätzliche milliardenschwere Verwässerung der Altaktionäre der Deutschen Telekom AG aus dem Aktientausch-Voicestream-Deal, die noch um ein Vielfaches ungünstiger ausfällt. Eine Verzinsung von 40 Milliarden Euro mit sechs Prozent auf sieben Jahre ergibt immerhin weitere 20 Milliarden, also 60 Milliarden.

Entsprechende Nachfragen beim Aufsichtsratsvorsitzenden aufgrund der Fragen in der Hauptversammlung wurden bisher nicht beantwortet.

Sind in diesen Sachverhalten die tieferen Gründe des Telekom-Bespitzelungsskandals verborgen? Jedenfalls ergeben allein die Summen mehr als genug Motive. [Update 13.6.2008] Und wie die Faust aufs Auge paßt dieser Bericht des Spiegel aus dem Jahr 2003 zu einem vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) "zum Wohle der Republik" geheimgehaltenen Bericht des Bundesrechnungshofs.


Zu Teil I
Zu Teil II
weiter: Zu Teil IV

Tuesday, June 10, 2008 in PrivatisierungStaat und GesellschaftTelekom  | Permalink |  Comments (0)
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