Deutsche Telekom: Gigantische Umorganisation

"Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sollen T-HOME und T-MOBILE in Deutschland in einer Legaleinheit zusammengeführt werden." Dem soll eine a.o. Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG am 19. November 2009 zustimmen.

Aktiver Leerlauf durch jahrzehntelange, permanente Umorganisation wird noch gesteigert

Dieser dürre Satz ist die knappe Begründung, mit der der Vorstand der Deutschen Telekom AG ihren leidgeprüften Aktionären die größte Umorganisation ihrer Geschichte seit ihrer Privatisierung rechtfertigt. Wenn man davon ausgeht, dass das Zusammenwachsen von Mobil- und Festnetz eine neue Organisationsstruktur in Form einer einheitlichen rechtlichen Organisation nötigt macht, was keineswegs so klar ist, so ist jedoch die Besonderheit dieser Umorganisation, deren Details hier im T-Original nachgelesen werden können, dass nicht die kleinere Mobilfunkorganisation in die Telekom, sondern die viel größere, riesige Telekom-Organisation ("T-HOME") aus der Telekom aus und in die Mobilfunktochtergesellschaft eingegliedert wird. Ein Teil davon war gerade vor noch nicht allzu langer Zeit in umgekehrter Richtung in die Deutsche Telekom Kundenservice GmbH transferiert worden. Warum dies geschieht und der Schwanz künftig mit dem Hund wedeln soll, darüber finden sich in den Unterlagen keine Angaben.

Teile und Herrsche

Es ist klar, dass diese gigantische Umorganisation als Krönung jahrezehntelanger Umstrukturierungen mit höchst undurchsichtigen bilanziellen Auswirkungen dafür sorgt, dass auf absehbare Zeit weder (Kosten-) Transparenz in der Organisation entstehen kann, noch dass produktiv im Kunden- oder Aktionärsinteresse gearbeitet wird. Denn bereits seit 2008 ist fast die gesamte Belegschaft der Telekom damit beschäftigt, ihre Position zu sichern, ihr jeweiliges Terrain zu verteidigen, und natürlich: Keine kritischen Fragen zur inhaltlichen Geschäftspolitik in Richtung Vorstand zu stellen.

Turbulente außerordentliche Hauptversammlung am 19. November?

Die außerordentliche Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG soll nun dieser Umorganisation zustimmen, die intern bei vielen Mitarbeitern nur noch Kopfschütteln auslöst. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten wird die Hauptversammlung nicht in der Kölner Kölnarena, sondern in Hannover stattfinden und nach Ankündigung der Telekom nicht in Bild und Ton im Internet übertragen. Offenbar hat man Angst vor dem Bild, das sich der Öffentlichkeit bieten könnte. Es dürfte also davon auszugehen sein, dass nicht nur zahlreiche Belegschaftsaktionäre ihrem Unmut Luft machen und nach dem wertschöpfenden Sinn solcherart Umorganisation fragen werden. Sie werden allerdings wie die sonstigen Kleinaktionäre in jahrzehntelang bewährter Weise durch das Bundesfinanzministerium als Vertreter des Hauptaktionärs Bund unter der strippenziehenden Regie von Finanzstaatssekretär und Telekom-Aufsichtsratsmitglied Jörg Asmussen niedergestimmt werden - es sei denn, dass sich für dieses Szenario durch die Bildung der neuen Bundesregierung in Berlin bis dahin wider Erwarten Veränderungen ergeben.

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