Unterdrückte Ex-T-Vorstand Pauly Google.de-Suchergebnisse vor seiner Bestellung?

Wie aus der Datenbank von "Chilling Effects Clearinghouse", einer US-basierten Internet-Initiative hochrangiger Juristen gegen Zensur im Internet hervorgeht, wurde Google am 2. Juni 2005 und am 13. Juli 2005 von einem deutschen Staatsbürger durch Unterlassungsverfügung gezwungen, bestimmte Suchergebnisse auf google.de zu löschen.

[ t-blog.de eig. Bericht] Wer heute [3.9.3007] auf Google nach "Vorstand Deutsche Telekom" sucht, findet den merkwürdigen Hinweis auf einer der hinteren Google-Suchergebnisseiten, dass Google aus rechtlichen Gründen bestimmte Suchergebnisse gelöscht hat. Zu weiteren Informationen bezüglich des Löschens solcher Suchergebnisse verweist Google allgemein auf die Seite von www.chillingeffects.org , einer Initiative renommierter akademischer US Law Institutionen gegen die Gefahr internationaler staatlicher Zensur im Internet.

"Chilling Effects" bietet insbesondere auch die Möglichkeit, direkt in einer Synopse Suchergebnisse zweier verschiedener nationaler Google-Ergebnisseiten zu vergleichen, also die unzensierte US-Version google.com, die ja von deutschen Unterlassungsverfügungen nicht betroffen ist, und google.de .

So ergibt der Vergleich der deutschen und der US Google Seite zum Suchergebnis "Deutsche Telekom Vorstand", dass fast alle Berichte, die besonders deutlich von Lothar Paulys mutmasslicher Verwicklung in die Siemens Korruptionsaffaire handeln, auf der deutschen Suchergebnisseite von Google verschwunden sind.

Gleichzeitig finden sich zwei anonymisierte Einträge in die "Cease-and-Desist" (Unterlassungsanordnungs-) Datenbank gegen Google vom 2. Juni 2005 und 13. Juli 2005 , die einzigen dieser Art zu den Suchstichworten "Deutsche Telekom Vorstand".

Lothar Pauly wurde Anfang September 2005 zum 1. Oktober 2005 in den Konzernvorstand der Deutschen Telekom AG berufen. Ließ Pauly rechtzeitig einschlägige Suchergebnisse aus google.de gerichtlich löschen, um seine Berufung zum Vorstand nicht zu gefährden? Dieser Verdacht erhärtet sich auch, wenn man weniger bekannte Suchmaschinen, denen wohl keine Verfügung zugestellt wurde, nach Ergebnissen zu "Lothar Pauly" suchen läßt. Dort findet man jedenfalls Berichte über Ereignisse des Jahres 2000, die zur anonymisierten Erklärung passen.

Sollten also die im Raum stehenden strafrechtlichen Vorwürfe gegen Lothar Pauly am Ende zutreffen, wäre wohl der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG gefordert, von ihm die (zu Lasten der Aktionäre) sicherlich bezahlte Abfindung für sein vorzeitiges Ausscheiden wegen gezielter Täuschung zurückzufordern.

[update 5.9.2007.] Offenbar auf unseren Email-Hinweis des Sachverhalts hat Google die Unterdrückung der Suchergebnisse zu "Vorstand Deutsche Telekom" wieder herausgenommen. Die deutsche und die US Version der Suchergebnisse sind wieder im wesentlichen gleich. Allerdings konnten wir mit einem Aufruf des alten Vergleichs noch Spuren sichern .

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