Faul Ouzo schlürfende, Olivenkern-spuckende Griechen

Oder: Wie Goldman Griechenland einkassierte. Von Greg Palast.

Wörtlich übernommen und von uns aus dem Englischen übersetzt, mit freundlicher Genehmigung von Gregpalast.com

Hier ist, was man uns erzählt:

Griechenlands Wirtschaft sei zusammengebrochen wegen eines Haufens Oliven spuckender, Ouzo saufender, lahmarschiger Griechen, die sich weigern, ganze Tage zu arbeiten, schon als Teenager in den Ruhestand gehen, die Pensionen wie orientalische Herrscher erhalten; die mit geliehenem Geld auf Sozialhilfekosten Einkaufsorgien veranstalten. Jetzt, wo die Gesetze verabschiedet wurden und die Griechen mit höheren Steuern ebenso wie mit Einschnitten in ihre soziale Hängematte bezahlen müssen, laufen sie Amok, kreischen sie in den Straßen, machen Fenster kaputt und zünden Banken an.

Ich kauf' das nicht ab. Ich kauf' es nicht ab, weil es ein Schriftstück in meiner Hand gibt, mit der Aufschrift "VERSCHLUSS-SACHE".

Ich werde es für die Anklageschrift zusammenfassen: Griechenland ist ein Tatort. Das Volk ist Opfer von Täuschung, Betrug, Schieberei, faulem Zauber. Und - haltet den Kindern bitte die Ohren zu, während ich das sage - eine Bank namens Goldman Sachs hält die "smoking gun", den unwiderlegbaren Beweis, in der Hand.

Im Jahre 2002 kaufte Goldman Sachs heimlich 2,3 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden, wandelte sie vollständig in Yen und Dollar um, und verkaufte sie sofort wieder an Griechenland.

Goldman machte einen riesigen Verlust aus dem Geschäft.

Ist Goldman so dumm?

Goldman ist dumm - wie ein Fuchs! Der Handel war ein Schwindel, denn Goldman erfand einen schwindlerisch-aufgeblasenen Umtauschkurs für diese Transaktion. Warum?

Goldman hatte einen geheimen Handel mit der damaligen griechischen Regierung abgeschlossen. Ihr Spiel: Gigantische Haushaltsdefizite verstecken! Goldmans Scheinverlust war der Scheingewinn der griechischen Regierung.

Goldman würde diesen "Verlust" von der Regierung wiederbekommen, per Kredithai-Zinsen.

Durch diesen verrückten und teuren Taschenspielertrick war Griechenlands Rechts-Freie-Märkte Regierung in der Lage, der Öffentlichkeit vorzugaukeln, dass ihre Defizite niemals 3 Prozent des Bruttosozialprodukts überschritten.

Cool. Arglistig aber cool.

Aber fauler Zauber ist heutzutage nicht ganz billig: Auf mörderische Zinszahlungen sattelte Goldman den Griechen auch noch eine viertel Milliarde an Gebühren drauf.

Als die neue sozialistische Regierung von George Papandreou ins Amt kam, öffneten sie die Bücher, und es kamen Goldmans Fledermäuse aus den Seiten herausgeflogen. Investoren drehten durch, verlangten Monsterzinsen für mehr Geld, um die Schulden abzulösen.

Griechenlands Gläubiger suchten schnell und in Panik Versicherung gegen den drohenden Bankrott einer Nation. Der Preis für solche Pleiteversicherungen, genannt credit default swaps (CDS), stieg ins astronomische. Wer stapelte sein Geld beim Verkauf dieser CDS Versicherungen? Goldman.

Und diese faulenden Taschen mit CDS, die von Goldman und anderen verkauft wurden? Wußten sie nicht, dass sie ihren Kunden vergoldeten Mist verkauften?

Das ist eine Spezialität von Goldman. Im Jahre 2007, zur gleichen Zeit als die Banken zweifelhafte CDS und CDOs verkauften (Pakete mit Verbriefungen zweitklassiger Hypotheken), hielt Goldman eine "Netto Short" Position gegen diese Wertpapiere. D.h., Goldman wettete darauf, dass ihre eigenen Finanzprodukte im Klo landen würden. Goldman verdiente mit dieser "Netto Short" Masche eine weitere halbe Milliarde Dollar.

Aber, anstatt Goldmans CEO Lloyd Blankfein mit Handschellen zu versehen und ihn im Käfig durch die Straßen Athens vorzuführen, werden die Opfer des Betrugs, das griechische Volk, beschuldigt. Beschuldigt und für die Kosten davon naß gemacht. Die "Spanne" auf griechische Staatsanleihen (das ist die Bezeichnung für die Risikoprämie auf Griechenlands korrumpierte Schulden) ist jetzt auf - halten Sie sich fest - 14000 US Dollar pro Familie pro Jahr gestiegen.

Weitere Details finden sich in Greg Palast's Buch "Vulture Picnic" - Geierfrühstück, das direkt von dort bestellt werden kann. Eine Vorschau des Buches, leider bisher nur in englischer Sprache, findet sich auch bei amazon.de .

Siehe auch weitere Berichte/Zusammenfassung von Quellen zum Thema bei den Nachdenkseiten sowie generell über die Rolle von Goldman Sachs auch in diesem Blog - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Sachen Deutsche Telekom AG, auch wenn es merkwürdigerweise niemanden interessiert.

Siehe ferner auch die aktuelle Berichterstattung über Goldman Sachs in The Independent (in Englisch).



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