Für Ines

Mit Herzen voll von Trauer, aber auch voller Zorn, wird in diesen Tagen unsere ehemalige Kollegin und Freundin, Ines, 58 Jahre, in ihrer geliebten Heimatstadt Berlin zu Grabe getragen.

Die waschechte Berlinerin war in der ganzen Welt herumgekommen, in Australien aufgewachsen und deshalb echte Zweisprachlerin, zugleich aber Berliner Schnauze mit Herz.


Sie liebte die große weite Welt, sei es vor Ort, oder in Form von Nachrichten – sie war seit der Gründung engagierte Mitarbeiterin der Pressestelle von T-Mobile, engagierte sich aber gleichermassen fünfzehn Jahre lang im Betriebsrat der Bonner Zentrale von T-Mobile als stellvertretende Vorsitzende. T-Mobile war ihre Welt. Unternehmerischen Gedanken viel näher als gewerkschaftlichen Ideen, zugleich zutiefst überzeugt von der sozialen Verantwortung eines Unternehmens und seiner Führung hat sie jahrzehntelang unzähligen Menschen, die mit ihren Nöten und Problemen aus dem Arbeitsalltag zu ihr kamen, weitergeholfen, vermittelt, Trost zugesprochen und individuelle Lösungen ausgelotet.


Anfang Mai 2008 wurde die Pressestelle der T-Mobile aufgelöst und in die Zentrale der Deutschen Telekom AG integriert. Ines hatte die Wahl, weiter Pressearbeit für den Konzern zu leisten oder ganz im Betriebsrat zu verbleiben. Sie wählte die Pressearbeit in der sicheren Überzeugung, mit ihrer Arbeit in der Pressestelle weiter ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens zu leisten und eine neue Herausforderung annehmen zu sollen.


Bald aber stellte sie offenbar fest, dass sich die neue Herausforderung, mit der sie ihr Berufsleben alsbald beschließen wollte, als ungeschützter Sprung in ein Haifischbecken entpuppte. Als dann auch noch ihr wichtigster Berater und Freund, ihr Vater, überraschend verstarb, erkrankte sie, sie, die sich immer allen als lebensfroh, robust und stark präsentiert hatte.


Vor wenigen Tagen wählte sie anscheinend den Freitod. Sie ist freilich weder die erste, noch wird sie wohl die Letzte bleiben, die sich auf so verzweifelte Weise verabschiedet. Es sind Opfer struktureller Gewalt, die anonym ausgeübt wird im Wahn von Geld und Macht - Macht, die aus blankem Egoismus und purer Ignoranz im Wortsinne über Leichen geht.


Und deshalb sind unsere Herzen voll von Trauer, aber auch voll von gerechtem Zorn auf diejenigen, die sich an ihrem Tod mit versündigt haben. Mögen sie in nicht all zu ferner Zukunft in der Hölle schmoren und an ihrer eigenen Entmenschlichung zugrunde gehen.


Ines hat ihren Frieden gefunden.

M.W.


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