Lean Brain Management

Gunter Duecks "Lean Brain Management" als konsequente Grundlage der Personalpolitik

Vor kurzem kommentierten wir die weiteren Personaleinsparungspläne der Deutschen Telekom, die nach Presseberichten insbesondere die konzerninterne Bildung treffen, bevor dann noch weitere - dann eher technische - Intelligenz eingespart werden soll.

Nach einigen Recherchen, welche modische Management Theorie dieser neue Vorgehensweise zugrundeliegen könnte, worüber ja auch schon während der Tarifauseinandersetzung um die konsequente Demotivation zehntausender Kundenservice-Mitarbeiter gerätselt wurde, sind wir auf Gunter Duecks - neuen, aber dennoch - Wirtschaftsklassiker "Lean Brain Management" und seiner bahnbrechenden Definition von Lean Brain Management gestossen:

"'Lean Brain' bedeutet im Deutschen so etwas wie 'möglichst wenig Gehirnschmalz,
oder, wie mein Sohn es sagen würde, 'Null Hirn'".

lean brainSein Buch beschreibt die gewaltigen Einsparpotentiale, die gehoben werden können, wenn im großen Stile die Verschwendung von Intelligenz und Gefühl eingedämmt oder verhindert werden soll. Sein Buch gibt ein ganzes Kaleidoskop von Rezepten, wie in der Umgebung Intelligenz und Gefühl ausgerottet werden kann, um damit kurzfristige Gewinne zu heben. Weiter heißt es:

"Rennen Sie bitte keinen grundsätzlichen Lösungen Ihrer Wirtschaftsprobleme hinterher, bevor sie nicht Lean Brain Quality eingeführt haben! .... Absolut jeder Mensch kann ohne weiteres Lean Brain Quality (LBQ) erzeugen und damit großen Erfolg haben."

Wie aus Konzernkreisen verlautete, ist auch der Vorstand nach verzweifeltem Suchen nach neuen Einsparpotentialen schließlich auf diese bahnbrechende Theorie des Mathematikers gestossen, die nun unbedingt auch angewendet werden soll. Verspricht doch Duecks neue Managementtheorie endlich die lange ersehnten "quick wins", die bisher vergeblich auf sich warten liessen. Und schließlich war doch auch Ron Sommer Mathematiker!

Politische Berliner Kreise argumentieren außerdem, dass es ja auch Zeit werde, dass sich auch der Telekom-Vorstand dieser Methodik noch konsequenter bediene, denn man nutze sie selbst schon länger mit großem Erfolg. Es ist daher zu vermuten, dass im Bundesfinanzministerium Duecks Erkenntnisse schon Grundlage der Personal- (und Steuer-) Politik gewesen sind, mit der bereits in der Vergangenheit in subtiler Weise die Entscheidungen der Aufsichtsräte einiger privatisierter Bundesunternehmen beeinflußt wurden. Es darf insbesondere spekuliert werden, ob Gunter Dueck nicht schon seit Jahren einen geheimen Beratervertrag etwa noch mit Hans Eichel abgeschlossen hat, der seine Methoden konsequent umgesetzt hat. Oder im Dueck-Jargon eben:

"Fast alle Intelligenz ließe sich einsparen, wenn wir alle Dinge des Lebens wie eine Art Verschnitt herstellen könnten. Ökonomisch gesehen brauchen wir im Grunde keinen ganzen Menschen, sondern nur den gerade nötigen Verschnitt (engl. 'human blend'), der dem ganzen Menschen schon recht nahe kommt. Damit korrigieren wir die törichte Entwicklung zum heute als viel zu teuer erkannten Humankaptital ('human resource' oder 'human capital')."1


Unsere Buchempfehlung: Gunter Dueck, Lean Brain Management - Erfolg und Effizienzsteigerung durch Null-Hirn, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006.
1) Hervorhebung durch die Red.

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