Die "non-GAAP" Scheinwelt des Karl Gerhard Eick

Die Deutsche Telekom will ihre Dividende von 0,72 auf 0,78 Euro pro Aktie erhöhen, obwohl der Konzernüberschuß im ersten Dreivierteljahr von 4 auf 1,3 Milliarden sank - das wird aber verschwiegen. Die Erhöhung schlagen Vorstand und Aufsichtsrat laut eigener Pressemitteilung vor. Begründet wird dies ausschließlich mit - auch noch bereinigten(!) - Kennzahlen, über die die Deutsche Telekom im Kleingedruckten der Pressemeldung selbst schreibt, dass sie nicht Standard-konform oder vergleichbar sind.

Standard-konforme Finanzkennzahlen hat Finanzchef Eick als Begründung der Dividendenerhöhung keine einzige angegeben. Der enorm gesunkene Konzernüberschuß wird nicht mit einer Silbe erwähnt. Das EBITDA soll's mal wieder richten. Es bleiben also nur die letzten Telekom-Quartalszahlen als zuverlässige Information, wenn man die Standardzahlen wie Gewinn aus dem Zahlennebel herausgefunden hat. Danach ist der Gewinn im ersten Dreivierteljahr 2007 fast auf ein Viertel gesunken, die Dividende soll nun aber trotzdem erhöht werden.

Im Klartext: Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG schlagen offiziell die Erhöhung der Dividende des Unternehmens vor, ohne auch nur eine einzige in Deutschland oder USA gesetzlich vorgeschriebene Kennzahl zur Begründung zu nennen, sondern nur selbstgestrickte, selbst-zurechtdefinierte Zahlen. Bei einem lt. Quartalszahlen um 67% gesunkenen Konzernüberschuß im ersten Dreivierteljahr soll die Dividende um 8% steigen! Das wird auch noch verschwiegen. Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt.

Aber es kommt noch besser:

"Die Deutsche Telekom führt keine Überleitung der bereinigten EBITDA-Guidance zu GAAP-Kennzahlen durch, da dies einen unangemessenen Aufwand bedeuten würde. Die Deutsche Telekom macht grundsätzlich keine Vorhersagen zu den tatsächlichen Auswirkungen zukünftiger Sondereinflüsse auf Grund deren Unsicherheit. Sondereinflüsse und Zinsen, Steuern und Abschreibungen (einschließlich Verlusten aus Wertminderungen) können sich erheblich auf das Unternehmensergebnis auswirken."

Aha, dass heißt im Klartext: Selbst die EBITDA-Prognosen sind völlig ohne Aussagekraft, denn EBITDA bedeutet ja gerade Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen. Und auch zu diesen macht man keine Aussagen! Und weil das noch nicht genügt, distanziert man sich auch noch von den Sondereinflüssen, um die das EBITDA bereinigt wurde!!!

Was heißt eigentlich "GAAP"? Nun, "Generally Agreed Accounting Principles", zu deutsch allgemein anerkannte Buchführungsgrundsätze (in den USA). "Non-GAAP" heißt also auf Deutsch: NICHT nach allgemein anerkannten Buchführungsgrundsätzen (in den USA). Warum die bei der Deutschen Telekom einen unangemessenen Aufwand bedeuten, diese Frage muss sich der unbefangene Betrachter stellen. Aber auch Zahlen nach den International Financial Reporting Standards (IFRS), die den GAAP-Zahlen weitgehend gleichwertig sind, werden in der Pressemitteilung nicht genannt. Ganz zu schweigen von Zahlen nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB).

Bei einem qualifiziert besetzten Aufsichtsrat, den Interessen des Unternehmens loyal dienend, müssten längst alle roten Lampen glühen.

Siehe dazu auch aus aktuellem Anlaß hier.

Quellen zur möglichen rechtlichen Beurteilung
Und zum Vergleich eine Finanzberichterstattung mit transparenten Kennzahlen (es geht also!):
Dort kennt man auch noch den altmodischen Begriff "Gewinn". Dr. Karl-Gerhard Eick sitzt bei der Bank im Aufsichtsrat.

[update 16.04.08] siehe auch


Original-Pressemitteilung der Deutschen Telekom AG

Deutsche Telekom beabsichtigt Anhebung der Dividende für 2007 von 0,72 Euro auf 0,78 Euro je gewinnberechtigter Aktie

06.12.2007

Fortsetzung der Politik attraktiver Dividendenausschüttungen – Basis ist die positive Entwicklung des Free Cash Flow und die solide Bilanz


Die Deutsche Telekom AG will ihre Politik der Ausschüttung attraktiver Dividenden an ihre Aktionäre fortsetzen. Für das Geschäftsjahr 2007 beabsichtigen Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Telekom AG – vorbehaltlich des festgestellten Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2007 – der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende von zuletzt 0,72 Euro auf 0,78 Euro je gewinnberechtigter Aktie vorzuschlagen. Damit würde die  Dividendensumme von 3,1 Mrd. Euro auf dann 3,4 Mrd. Euro steigen.

Der Beschluss ist Teil der mittelfristigen Finanzplanung des Unternehmens für die kommenden drei Jahre, die Vorstand und Aufsichtsrat heute verabschiedet haben.


Basis für die angestrebte Anhebung der Dividende sind die operative Ergebnisentwicklung, die sich in der Erwartung für das bereinigte EBITDA des Konzerns von rund 19 Mrd. Euro im Jahr 2007 spiegelt, die erwartete positive Entwicklung des Free Cash-Flow der Deutschen Telekom sowie die sehr gute Bilanzposition des Konzerns. So geht der Vorstand der Deutschen Telekom davon aus, dass der Free Cash-Flow im Geschäftsjahr 2007 rund 6,5 Mrd. Euro erreichen und im kommenden Jahr auf etwa gleicher Höhe liegen wird. Bezogen auf den erwarteten Free Cash Flow des Jahres 2007 und basierend auf einer Dividende von 0,78 Euro je gewinnberechtigter Aktie würde die Ausschüttungsquote dann bei rund 52 Prozent liegen.


Darüber hinaus verfügt die Deutsche Telekom auch im Branchenvergleich über sehr solide Bilanzrelationen. Die Eigenkapitalquote lag zum Ende des dritten Quartals 2007 bei 38,2 Prozent der Bilanzsumme, das Gearing – also das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital - betrug 0,8 und die Relation der Netto-Finanz-Verbindlichkeiten zum bereinigten EBITDA liegt auf Basis der für das Gesamtjahr erwarteten Daten bei rund 1,9. Bereits in der Vergangenheit hatte die Deutsche Telekom kommuniziert, für das Gearing einen Wert in der Spannbreite von 0,8 bis 1,2 sowie für das Verhältnis von Netto-Finanzverbindlichkeiten zu bereinigtem EBITDA einen Wert von 2 bis 3 anzustreben. Beide Finanzkennziffern liegen damit auf bzw. über dem Zielwert.


Die Deutsche Telekom AG bestätigt damit auch weiterhin das Ziel einer attraktiven Dividendenpolitik. Grundlage hierfür ist die Entwicklung der operativen Erträge, des Free Cash-Flows und der Bilanzrelationen.



Diese Mitteilung enthält zukunftsbezogene Aussagen in Bezug auf Finanzkennzahlen, welche die gegenwärtigen Ansichten des Managements der Deutschen Telekom hinsichtlich zukünftiger Ereignisse widerspiegeln. Sie sind im Allgemeinen durch die Wörter „erwarten“, „davon ausgehen“, „annehmen“, „beabsichtigen“, „einschätzen“, „anstreben“, „zum Ziel setzen“, „planen“, „werden“, „erstreben“ und vergleichbare Ausdrücke gekennzeichnet und beinhalten im Allgemeinen Informationen, die sich auf Erwartungen oder Ziele für Umsatzerlöse, bereinigtes EBITDA oder andere Maßstäbe für die Performance beziehen. Zukunftsbezogene Aussagen basieren auf derzeit gültigen Plänen, Einschätzungen und Erwartungen. Daher sollten Sie sie mit Vorsicht betrachten. Solche Aussagen unterliegen Risiken und Unsicherheitsfaktoren, von denen die meisten schwierig einzuschätzen sind und die im Allgemeinen außerhalb der Kontrolle der Deutschen Telekom liegen. Dazu gehören u. a. auch die Faktoren, die in den Abschnitten „Forward-Looking Statements“ und „Risk Factors“ des bei der U.S. Securities and Exchange Commission auf Form 20-F eingereichten Jahresberichts des Unternehmens beschrieben sind.

Zu den relevanten Faktoren zählen auch der Fortschritt, den die Deutsche Telekom mit den personalbezogenen Restrukturierungsmaßnahmen erzielt, und die Auswirkungen anderer bedeutender strategischer und operativer Initiativen, einschließlich des Erwerbs oder der Veräußerung von Gesellschaften von Unternehmenszusammenschlüssen sowie Initiativen zur Kosteneinsparung. Weitere mögliche Faktoren, die die Kosten- und Erlösentwicklung wesentlich beeinträchtigen, sind regulatorische Vorgaben, ein Wettbewerb, der schärfer ist als erwartet, Veränderungen bei den Technologien, Rechtsstreitigkeiten und aufsichtsrechtliche Entwicklungen. Sollten diese oder andere Risiken und Unsicherheitsfaktoren eintreten oder sollten sich die den Aussagen zu Grunde liegenden Annahmen als unrichtig herausstellen, so können die tatsächlichen Ergebnisse der Deutschen Telekom wesentlich von denjenigen abweichen, die in diesen Aussagen ausgedrückt oder impliziert werden. Die Deutsche Telekom kann keine Garantie dafür geben, dass die Erwartungen oder Ziele erreicht werden. Die Deutsche Telekom lehnt jede Verantwortung für eine Aktu­alisierung der zukunftsbezogenen Aussagen durch Berücksichtigung neuer Informationen oder zukünftiger Ereignisse oder anderer Dinge ab. Die Deutsche Telekom führt keine Überleitung der bereinigten EBITDA-Guidance zu GAAP-Kennzahlen durch, da dies einen unangemessenen Aufwand bedeuten würde. Die Deutsche Telekom macht grundsätzlich keine Vorhersagen zu den tatsächlichen Auswirkungen zukünftiger Sondereinflüsse auf Grund deren Unsicherheit. Sondereinflüsse und Zinsen, Steuern und Abschreibungen (einschließlich Verlusten aus Wertminderungen) können sich erheblich auf das Unternehmensergebnis auswirken.

Zusätzlich zu den nach IFRS erstellten Kennzahlen legt die Deutsche Telekom Non-GAAP-Kennzahlen vor, z. B. EBITDA, EBITDA-Marge, bereinigtes EBITDA, bereinigte EBITDA-Marge, bereinigtes EBIT, bereinigter Konzernüberschuss, Free Cash-Flow sowie Brutto- und Netto-Finanzverbindlichkeiten, die nicht Bestandteil der Rechnungslegungsvorschriften sind. Diese Kennzahlen sind als Ergänzung, jedoch nicht als Ersatz für die nach IFRS erstellten Angaben zu sehen. Non-GAAP-Kennzahlen unterliegen weder den IFRS noch anderen allgemein geltenden Rechnungslegungsvorschriften. Andere Unternehmen legen diesen Begriffen unter Umständen andere Definitionen zu Grunde. Weitere Informationen zur Erläuterung dieser Begriffe finden sich im Kapitel „Überleitung zu Pro-forma-Kennzahlen“, das auf der Website der Deutschen Telekom (www.telekom.com) unter „Investor Relations“ eingestellt ist.


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