Notorisch realitätsferne T-Vorstandsagenda

Gleich zweimal produziert der Vorstand der Deutschen Telekom AG dieser Tage absurde Schlagzeilen: "Beamte raus!", und "Regulierung weg!" So definiert man sich seine Welt zurecht, vielleicht glaubt es jemand, und der Kurs steigt. Der schon notorische Realitätsverlust ist beängstigend.

Da werden einfach Gerüchte in die Welt gesetzt, wahrscheinlich von Herrn Sattelberger, man wolle und könne bis zum Jahr 2010 9000 Beamte in die Auffanggesellschaft Vivento drängen, um sie anschließend im Staatsdienst bei Bund und Ländern unterzubringen. In Wirklichkeit ist jedoch kein einziger Beamter verpflichtet, zu einem Privatunternehmen zu wechseln; vielmehr können sie nach höchstrichterlicher Rechtssprechung amtsangemessene Beschäftigung bei ihrem Dienstherrn, der Deutschen Telekom AG verlangen. Kein Wunder also, dass sich auch die Gewerkschaft Verdi darüber aufregt, denn es ist in der Tat zu befürchten, dass zur Erreichung dieser Ziele mangels rechtlicher Durchsetzungsfähigkeit massives konzernweites Mobbing eingesetzt werden wird.

Natürlich könnte es zwar grundsätzlich sinnvoll sein, wenn etwa tatsächlich vorhandene Personalüberhänge von Beamten durch einen Wechsel zum Bund gelöst werden könnten, hat doch der Bund die Gründung der Deutschen Telekom unfair mit einem enormen Personalüberhang von Anfang an belastet. Der Weg dazu sind jedoch Forderungen an die Politik und Gespräche mit dem Bund, nicht solche substanzlosen Ankündigungen. Denn selbst wenn es gelänge, noch mehr Beamte nach Vivento zu pressen, macht es keinen Sinn, wenn ihnen am Ende des Tages keine amtsangemessene Beschäftigung geboten wird. Freiwillig gehen können die Betroffenen aus wirtschaftlichen Gründen selbst dann nicht, wenn sie einen vergleichbaren Job in der freien Wirtschaft finden würden. Die Aufgabe des Beamtenstatus und Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ist wegen der geringeren Bruttogehälter der Beamten im Vergleich zu Angestellten (wegen der in die Beamtenbezahlung "eingepreisten" fehlenden Sozialabgaben) für diese im Alter desaströs. Das ganze ist also eine inkompetente Luftnummer sonder gleichen.


Verwundern muss noch mehr, dass laut Pressemeldungen die Telekom nach eigenen Vorstandsäußerungen ihre Arbeit mit den eigenen Leuten gar nicht mehr schafft, sondern dafür angeblich auf externe Dienstleister angewiesen ist. Gibt es vielleicht ganz andere Gründe für die Beauftragung solcher externer Dienstleister, z.B., dass passende Taschen noch praller gefüllt werden sollen? Oder, oder vielleicht auch: Und will man die Beamten vielleicht auch los werden, weil sie aufgrund ihrer starken rechtlichen Stellung persönlichen Bereicherungsstrategien im Weg sind? Denn von den Personalkosten her wirklich teurer als Angestellte sind sie im laufenden Betrieb nicht, und die Pensionslasten müssen ohnehin von Telekom und Bund getragen werden.


Damit wären wir beim zweiten Thema angegekommen, dem schrecklichen Wettbewerb. Denn die Arbeit, die die Deutsche Telekom ja nicht schafft, ist unter anderem die Umschaltung von Anschlüssen zum Wettbewerb, zu der sie durch Regulierung verpflichtet ist. Deshalb wünscht sich Rene Obermann auch noch gleich die Abschaffung der Regulierung.


Träum weiter Rene, wie lange willst Du dieses Unternehmen noch in den Abgrund führen? Wann kommen endlich die fundamentalen Probleme der Deutschen Telekom AG auf den Tisch, für die der Bund verantwortlich ist, womöglich in Teilen sogar, ohne es selbst richtig begriffen zu haben? Wann entwickelt der Vorstand echte Zukunftsperspektiven für das Unternehmen, statt Nebelkerzen zu schmeissen? Wann werden die Figuren, die nichts können, ausser die eigenen Taschen zu füllen, endlich verabschiedet?



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