Völlig losgelöst

Im Traumschiff Berlin agiert die Bundesregierung völlig losgelöst von der gesellschaftlichen Realität, indem sie mit einem "historischen" Sparpaket den kleinen Leuten weiter Geld wegnimmt und die Konjunktur abwürgt, statt endlich die Verursacher der Finanzkrise zur Kasse zu bitten.

Denn neben den geplanten Kürzungen bei den Arbeitslosen wirkt auch die Einführung einer Bahndividende oder die Flugscheinabgabe kostentreibend für jedermann. Grundlegende strukturelle Reformen hingegen, die künftige Finanzkrisen verhindern, die der Realwirtschaft dienende Funktion der Finanzwirtschaft wiederherstellen und das Problem der Vermachtung unserer Märkte (auch ausserhalb der Finanzwirtschaft) beherzt angehen, sucht man völlig vergebens.

Politisches Lean Brain Management

All das läßt sich mit Gunter Duecks einschlägigem Wirtschaftsklassiker Lean Brain Management treffend charakterisieren:

"'Lean Brain' bedeutet im Deutschen so etwas wie 'möglichst wenig Gehirnschmalz,
oder, wie mein Sohn es sagen würde, 'Null Hirn'".

lean brainSein Buch beschreibt die gewaltigen Einsparpotentiale, die gehoben werden können, wenn im großen Stile die Verschwendung von Intelligenz und Gefühl eingedämmt oder verhindert werden soll. Es gibt ein ganzes Kaleidoskop von Rezepten, wie in der Umgebung Intelligenz und Gefühl ausgerottet werden kann, um damit kurzfristige Gewinne zu heben. Weiter heißt es:

"Rennen Sie bitte keinen grundsätzlichen Lösungen Ihrer Wirtschaftsprobleme hinterher, bevor sie nicht Lean Brain Quality eingeführt haben! .... Absolut jeder Mensch kann ohne weiteres Lean Brain Quality (LBQ) erzeugen und damit großen Erfolg haben."

Anders als durch die konsequente Einführung von LBQ in Bundesregierung und den sie tragenden Parteien, darüberhinaus auch in der EU, kann man wohl das völlige Versagen der Politik nicht erklären.

Soziale Marktwirtschaft

Gab es nicht mal eine Union und eine FDP, ja, auch eine SPD, die sich eine soziale Marktwirtschaft auf die Fahne geschrieben hatten?

Soziale Marktwirtschaft bedeutet

  • zuallererst eine funktionierende Marktwirtschaft, in der es keine zu mächtigen Teilnehmer gibt, schon gar keine, die "too big to fail" sind - davon haben wir uns schon lange verabschiedet - und in der den dennoch zu mächtig gewordenen Teilnehmern die von ihnen verursachten volkswirtschaftlichen Kosten in Rechnung gestellt werden;
  • insbesondere eine Finanzwirtschaft, die auf ihre der Realwirtschaft dienende (und somit nicht herrschende!) Funktion konsequent beschränkt wird;
  • eine öffentlich kontrollierte Geldschöpfung, die sich an der jeweiligen Realwirtschaft orientiert;
  • Staatlich notwendige Aufgaben müssen von einer jederzeit demokratisch kontrollierten öffentlichen Gewalt wahrgenommen werden, nicht in einem von Korruption geprägtem Dickicht von privatwirtschaftlichen Beteiligungen oder gar unkontrolliertem Machtgestrüpp in einer EU, wie sie sich leider entwickelt hat;
  • keine public-private "partnerships";
  • eine angemessene Unterstützung derjenigen, die sonst keine Chance haben;
  • einen ordnungspolitisch starken Staat bei gleichzeitiger jederzeitiger Transparenz und demokratischer Kontrolle.

Wo sind die Politiker, die dafür stehen?

Einstweilen bleiben wohl als echte Volksvertreter nur Gregor Gysi, Peter Gauweiler und im Europäischen Parlament der Brite Nigel Farage - jeder auf seine Weise.


Die anderen wird der Volkszorn über kurz oder lang wegfegen - je länger sie so weitermachen, zu desto höheren Kosten für uns alle.



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